SKN St. Pölten Frauen: Präsidentin Christina Wieser im Porträt

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SKN Frauen Präsidentin steht lächelnd auf einer Tribüne
© SKN St. Pölten
„Sport hat mich zu der Person gemacht, die ich bin.“
CHRISTINA WIESER war erfolgreiche Tennisspielerin, heute läuft sie Berg- und Ultramarathons. Seit 1. August 2026 ist sie – nach einem Jahr im Vorstand – Präsidentin der SKN St. Pölten Frauen. Redakteurin Petra Ortner stattete der Frau an der Spitze vom SKN Frauen einen Besuch ab.

Fußball? Christina Wieser hat so ziemlich alles ausprobiert, was das Sportgymnasium in der Josefstraße hergab – nur Fußball nicht. Ihre Disziplin war Tennis. Wenn sie über Sport spricht, geht es schnell um Dinge, die auch auf dem Fußballplatz entscheidend sind: Disziplin, Ziele, Teamarbeit, Niederlagen und das Wiederaufstehen.

„Sport hat mich zu der Person gemacht, die ich bin“, sagt sie.

Mehr Geld. Mehr Mädchen. Mehr Menschen im Stadion.

Christina Wieser denkt in drei großen Blöcken. Der erste und entscheidende: Geld. Ohne finanziell stabile Basis gibt es keine weitere Professionalisierung, keine besseren Bedingungen für Spielerinnen und keine langfristige Planung.

Der zweite Punkt ist der Nachwuchs. Der SKN soll für Mädchen in der Region zur Adresse Nummer eins werden. „Wir wollen natürlich, dass jedes Mädchen, das Fußball spielt, zum SKN will“, sagt Wieser. Nachwuchsteams sollen stärker zur Pipeline für die Profimannschaft werden. Das Problem: Immer spielen deutlich weniger Mädchen Fußball als Burschen. Und gerade zwischen zehn und 14 Jahren steigen viele Mädchen aus dem Sport aus. (Übrigens: Hier geht es zu den aktuellen Jungwölfinnen – U14 und U16!)

Der dritte Punkt ist das Publikum. Wieser denkt den SKN dabei als Treffpunkt: Fußball schauen, Leute treffen, Kontakte knüpfen, Wirtschaft und Sport verbinden.

„Frauenfußball ist unglaublich schön anzusehen“

Und dann ist da noch das Vorurteil: Frauenfußball sei langsamer, technisch schlechter und weniger attraktiv. „Frauenfußball ist sehr anspruchsvoll, hochspannend und unglaublich schön anzusehen“, sagt sie. Doch selbst viele Fans verfolgen nach wie vor häufiger Männerfußball, was mit der Sichtbarkeit zu tun hat.

Dabei hat sich in der österreichischen Medienlandschaft einiges bewegt. Der ORF überträgt das Topspiel jeder Runde, mit Laola1 gibt es einen Streamingpartner, der die Spiele der Frauen-Bundesliga kostenlos überträgt. Somit sind fast alle Spiele der Frauen-Bundesliga sind live zu sehen.

Da geht mehr! Nicht nur Übertragungen, sondern Geschichten, Podcasts und Magazine. Mehr Aufmerksamkeit auf die Menschen hinter den Spielen. „Man muss die mediale Präsenz über das Fernsehen hinausdenken“, sagt sie.

„Gemma, Mädels!“

Stört es Christina Wieser, wenn im Sport von „unseren Mädchen“ gesprochen wird? „Gemma, Mädels!“ ist völlig in Ordnung, schließlich heißt es bei Männern auch „Gemma, Burschen!“. Entscheidend sei der Kontext: Wird der Begriff wertschätzend verwendet, stört er sie nicht.

Zwischen Kreuzband und Gehaltsscheck

Frauenfußball kämpft mit strukturellen Nachteilen, etwa einem unterschiedlichen Verletzungsrisikos im Vergleich zu Männern. So müssen beispielsweise Kreuzbandverletzungen bei Trainings- und Kaderplanung stärker berücksichtigt werden. Noch offensichtlicher ist die finanzielle Kluft. Von Männergehältern ist der Frauenfußball weit entfernt. Wieser wünscht sich, dass Bundesliga-Spielerinnen entsprechend ihrer Leistung entlohnt werden. Gleichzeitig bleibt sie bei der Realität: Gehälter müssen sich aus dem erwirtschaften lassen, was ein Club einnimmt. Wenn die Einnahmen wachsen, entstehen auch für die Spielerinnen neue Möglichkeiten, und genau daran gilt es zu arbeiten. Sie hebt hervor, dass der SKN-Kader professionell aufgestellt ist – inklusive medizinischer Betreuungssportarzt und Physiotherapeuten.

Drei Frauen. 300 Pro-Lizenzen.

Beim SKN St. Pölten sind Frauen im Trainerteam keine Ausnahme, sie haben die Geschichte des Klubs geprägt. Das beste Beispiel ist Liése Brancão. Sie war acht Jahre lang Trainerin und prägte die erfolgreichste Zeit: sieben Meistertitel, sechs Cupsiege und drei Champions-League-Gruppenphasen. Inzwischen hat sie auch die UEFA-Pro-Lizenz, die höchste Trainerausbildung im europäischen Fußball. Damit gehört sie zu einem sehr kleinen Kreis: Laut ÖFB-Trainerakademie gibt es in Österreich von rund 300 Trainerinnen und Trainern mit UEFA-Pro-Lizenz, darunter sind laut Wieser lediglich drei Frauen. Für Wieser beginnt das Problem schon an der Basis. Deutlich weniger Frauen machen eine Trainerausbildung, und deshalb arbeiten auch weniger Frauen später als Trainerin. Heute ist mit Laurent Fassotte ein Mann Cheftrainer. Für Wieser kein Problem: Nicht das Geschlecht entscheidet, sondern die Qualität und wie gut ein Trainerteam zur Mannschaft passt.

Und jetzt Malmö

Auch wenn im Europacup zuletzt das Aus kam, führt der SKN derzeit die Tabelle der Bundesliga an. „Es wäre natürlich schön, wenn wir den Meistertitel wieder nach St. Pölten bringen.“ Wieser glaubt an ihre Mannschaft und beschreibt die Spielerinnen als „richtig hungrig“. Sie will den SKN St. Pölten Frauen noch sichtbarer machen, sportlich erfolgreicher und wirtschaftlich stabil aufstellen. Christina Wieser hat Power, Fokus und Disziplin – alles, was eine Präsidentin braucht.

Anm. der Redaktion: Das Interview führte die selbständig tätige Redakteurin Petra Ortner – eine der coolsten Schreiberinnen Niederösterreichs.

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Bimbo-Binder-Promenade 9
3100 St. Pöltent

Foto SKN Frauen: Tom Seiss

Danke fürs Weitersagen!

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