Faust Gretchen Margarete: Am 17. Oktober betritt gespanntes Publikum ohne Schuhe die ausverkaufte Theaterwerkstatt im Landestheater Niederösterreich. Die Sitz-Inseln für die Besucherinnen ausgerichtet am Kreuz, das heute Abend der Weg, die Bühne ist. Und zugleich Margaretes Raum, Margaretes Kopf. In dem drei Versionen von ihr Hand in Hand spielen, die miteinander untergehen. Gebrandet von eindrücklichen Video-Installationen rundum, in denen Margarete selbst und Erzählende des Stadtensembles den Faust in eigenen Worten aufrollen.
Sehr nah, sehr direkt, sehr dunkel konfrontiert uns Margarete mit dem Leid, das ihr ein erwachsener Mann zufügt, der wiederum von Teufel und Gesellschaft geschützt wird. Kein Spiel, aber Ernst. Kein Verehrer, aber ein Vergewaltiger. Keine Liebe, aber Missbrauch. Vor (unser) aller Augen wird das Mädchen, die Frau ihrer Unbefangenheit beraubt, der Kindheit, ihrer gesamten Familie, die unfähig ist, sie zu schützen. Und schließlich ihrer Freiheit – und auch ihrem Leben.
Sehr eindrücklich, sehr hart, sehr emotional – und so schön wie kompromisslos gespielt von Caroline Baas (Nestroy Nominierte 2026) sowie Helene Paula Dönicke / Mathilda Schönberger und Sonja Dürnberger vom Stadtensemble: K.O.-Tropfen mischen sich mit klassischen Versen, sexualisierte Gewalt zieht sich über mehr als zwei Jahrhunderte bis heute hin. Die Täter-Opfer-Umkehr funktioniert perfekt, damals wie heute. Übrig bleibt ein missbrauchtes, zerstörtes Kind – von der Welt im Stich gelassen und so schnell vergessen, wie der Sarg geschlossen ist. Keine verstaubte Geschichte, sondern ein brandaktuelles Drama.
Ein dogmatischer Reclam-Klassiker in multimedialem, feministischem Gewand: Wenn du auf den perfekten Zeitpunkt gewartet hast, um (endlich (mal wieder)) ins Theater zu gehen – hier ist er.
Auf der Website vom Landestheater NÖ findest du weitere Vorstellungstermine von Faust Gretchen Margarete.
Faust
GretchenMargarete:
Do it better.
Eine theatrale Videoinstallation nach Johann Wolfgang von Goethe
Margarete ist auf der Suche nach einem Ausweg aus der immer wieder auf den Spielplänen auftauchenden Geschichte. Sie will nicht mehr benutzt werden als Wetteinsatz zweier Männer.
Gretchens Geschichte wird in Bert Zanders Neufassung des Theaterklassikers als eindringlicher Monolog von der großartigen Caroline Baas erzählt – unterstützt durch das Stadtensemble des Landestheater Niederösterreich, dessen Mitglieder aus ihrer Perspektive als Menschen eines Landes sprechen, in dem nahezu jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens sexuelle Gewalt erfährt.
Regie: Bert Zander
Mit Caroline Baas & Stadtensemble: Helene Paula Dönicke / Mathilda Schönberger, Sonja Dürnberger
Bühne & Kostüme: Lene Schwind
Dramaturgie: Fanny Kölbl
Regieassistenz: Mia Nguyen
Soufflage: Pierre Balazs
Inspizienz: Vera Lehr
Koordination des Stadtensemble-Drehs: Leonie Rohlfing
Stadtensemble Video: Mircan Adtakan, Jonas Paris Aron, Yüksel Arslan, Romana Bayer, Robert Fallenstein, Astrid Fallmann-Krizanic, Martin Faschingeder, Merten Gareiß, Ingrid Garschall, Elisabeth Graf, Gerald Grois, Anna Gromova, Renate Hubinger, Fanny Kölbl, Amadeus Louis König, Doris Kraushofer, Lukas Lebhart, Margit Leuthner, Monika Mauer-Auer, Siegrid Mayer, Margit Meiringer-Gareiß, Friederike Meyer, Mia Nguyen, Christine Nusterer, Sonja Oberreiter, Mathias Pichler-Sekyra, Roland Rauscher, Caroline Schindele, Clara Schmieder-Sekyra, Holly Schwind, Lene Schwind, Franziska Wigelbeyer, Claudia Zawadil.
Ensemble Video: Emma Bahlmann, Clemens Dönicke, Lisa Edith Freiberger, Bettina Kerl, Amadeus Louis König, Max Kurth, Mika Pavle Kuruc, Michael Scherff, Ines Schiller, Philippe Thelen, Felix Thewanger, Susi Wirth
Foto: © Marcella_Ruiz_Cruz
Spielstätte Großes Haus: Rathausplatz 11
Spielstätte Theaterwerkstatt: Roßmarkt 22
3100 St. Pölten
Danke fürs Weitersagen!